Hallo und guten Tag,
was habe ich mit der Schule und dem Verein zu tun?

Nun, auf den ersten Blick nichts, dennoch eine ganze Menge. Warum?

Das liegt daran, dass ich Schüler der Bodelschwinghschule von 1972-1984 war. Meine Mutter war Gründungsmitglied des Fördervereins VFFB. Aus der Geschichte des Vereins geht hervor, dass der Verein gegründet wurde, um bessere Voraussetzungen für die Schüler zu bekommen. Nicht alles, was ein Schüler braucht, kann und konnte über das Schulamt beschafft werden! Bis es dann bewilligt war, war der Schüler meist nicht mehr an der Schule. Deshalb taten sich Eltern, beziehungsweise Mütter, und Schüler zusammen, um schneller Erfolge in der Anschaffung für die jeweiligen Schüler zu erzielen.

Wie passe ich nun da rein?

Zusammen mit Schülern, Lehrern und Eltern organisierte ich Flohmärkte und einiges mehr, um Gelder zusammenzubekommen, damit wir das eine oder andere für die Schüler anschaffen konnten. Darunter war auch das erste Fahrzeug von Mercedes-Benz, das für Schulausflüge oder Schullandheime genutzt werden konnte. Meinen Werdegang prägten vor allem meine Mutter und die Lehrerschaft.
In erster Linie meine Mutter, die mich sehr anspornte, bestimmte Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Danach erkannten Lehrer das Potenzial in mir und man hat mich gefördert und man hat von mir gefordert.

Schließlich, nach 12 Schuljahren, zwei wurden zusätzlich drangehängt wegen meiner vielen Krankenhausaufenthalte, habe ich durch meine Lehre und auch andere Personen um mich herum Aufgaben bekommen und mir wurde einiges zugetraut.

Nach der Schule habe ich es geschafft, durch eine meiner Lehrerinnen, deren Mutter in einem Altenheim untergebracht war, dort die Rezeption zu besetzen. Ich habe mich zwei Jahre vor meinem Schulabgang beworben und durch einen Glücksfall wollte mich der Heimleiter unbedingt kennenlernen, denn er hatte zwei Kinder mit geistiger Behinderung. Als ich mich 1982 erstmals vorstellte, war er von mir begeistert, sodass er alles in die Wege leitete und die Rezeption für Rollstuhlfahrer zugänglich machte, denn das dauerte auch seine Zeit. Als ich dann im September 1984 meinen Dienst dort antrat, war es rollstuhlgerecht, sodass ich arbeiten konnte. An dieser Arbeitsstelle verblieb ich rund 12 Jahre, bevor ich dann nach Biebrich ins Katharinenstift versetzt wurde. Dort löste ich den Rezeptionisten, der dann in den wohlverdienten Ruhestand ging, ab. Im Katharinenstift blieb ich bis zum Jahr 2015, bevor die Stelle abgebaut wurde. Ab da genoss ich selbst meine Rente. Soweit mein beruflicher Werdegang.

Was hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin?

Obwohl meine Mutter berufstätig war, habe ich nichts versäumen dürfen und müssen. Ich war zwar ein Schlüsselkind, so wurde das damals genannt, aber es hat mir nicht geschadet, ich wusste mich immer schon zu beschäftigen. Eine meiner Ideen als Jugendlicher und Kind war, sehr viel Radio zu hören, aber nicht nur. Das berühmte RTL mit der grünen Taste und auch der hessische Rundfunk waren für mich prägend. Ich kam dann, während meine Mutter auf der Arbeit war, und ich Ferien hatte, auf die Idee, beim Hörertelefon des hessischen Rundfunks anzurufen, das ging damals zum Glück etwas leichter als heute. Man hat niemanden gehabt, der gesagt hat, ich verbinde Sie weiter, sondern wenn man die Rufnummer kannte, hatte man den Moderator gleich am Hörer dran. Und irgendwann habe ich das getan und der Moderator, sein Name war Werner Reinke, war so begeistert von mir, dass er am Nachmittag des gleichen Tages bei mir zu Hause anrief.

Meine Mutter ging dran und sagte: “Was hat er denn jetzt schon wieder angestellt?“ Er sagte: „Nichts Schlimmes, aber ich hatte ein sehr schönes Gespräch mit ihm, ich möchte ihn gerne zu mir in den Rundfunk in meine Sendung „Hitparade International“ einladen. Haben Sie etwas dagegen, denn er ist minderjährig und Sie erziehungsberechtigt?“


Was möchte ich damit sagen?

Wenn man Träume hat oder auch Wünsche, gehen manchmal Türen auf, mit denen man nicht gerechnet hat. Durch den Besuch beim hessischen Rundfunk bekam ich die Gelegenheit, Menschen kennenzulernen wie zum Beispiel Tina Turner, Whitney Houston, Udo Jürgens, Udo Lindenberg und nicht zuletzt die gesamten Stars einschließlich Nena von der Neuen Deutschen Welle.

Mein Arbeitgeber hielt mich für geeignet, Menschen, die prominent sind, zu begleiten, besonders beim Fest für Körper und Sinne der Stadt Wiesbaden, wo alle Hilfsorganisationen sich vorstellten.

Ich wurde begleitet vom Oberbürgermeister Achim Exner, Ministerpräsident Holger Börner und Ministerpräsident Bouffier, sowie Limburgs Erzbischof Tebartz-van-Elst. Ich habe am Infostand des Festes gearbeitet und habe durch meine Arbeitsstelle auch Politprominenz wie zum Beispiel Heidemarie Wieczorek-Zeul kennengelernt.

Dort haben sich viele Türen geöffnet.

Was ich damit sagen will?

Ich möchte Ihnen weitergeben, dass es sich lohnt, für den Förderverein VFFB und auch für den Arbeitskreis Inklusion der Stadt Wiesbaden tätig zu werden!

Wenn Sie eine resolute Person sind als Mitglied und sich als Botschafter für den Verein VFFB einzusetzen, dann können Sie etwas bewirken.

Ich weiß, dass das für Menschen, die im Berufsleben stehen und Kinder mit Behinderung haben, sehr schwierig sein kann. Dennoch muss man bedenken, dass Sie dazu beitragen können, die Stadt ein bisschen barrierefreier und für Inklusion offener zu machen.

Ich selbst habe dem Erfolg meiner Mutter beigewohnt und habe die Niederflurbusse der Stadtwerke ESWE Verkehr mit einweihen dürfen und bin mit Achim Exner durch Wiesbaden gefahren und habe ihm Problempunkte gezeigt und dafür gesorgt, dass die Busse entweder eine Elektrorampe bekommen oder die Handrampe beibehalten, weil ihre Elektronik bei schlechtem Wetter immer anfällig war.

Aber wir konnten endlich als Mensch mit körperlicher Behinderung einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Das zog sich auch dann mit der Bahn und mit anderen privaten Unternehmen, die auch darauf spezialisiert sind, Menschen mit Behinderung zu befördern, durch.

Das kann die Mitarbeit im Arbeitskreis bewirken. Ich würde mir sehr wünschen, als Vereinsmitglied mit Silberauszeichnung noch etwas zu machen, aber ich glaube, ich habe schon so viel gemacht, dass ich mit 61 Jahren kürzertrete und jüngeren Menschen das Feld überlasse.

Wie schon gesagt, Sie handeln hier im Interesse Ihrer Tochter, Ihres Sohnes oder des Enkels, je nach dem, wer aus Ihrer Familie Vereinsmitglied ist. Ich bin schon sehr lange VFFB-Vereinsmitglied und ich bleibe es auch. Ich habe immer gern an den Sitzungen teilgenommen und mich für die Interessen von Menschen mit Behinderung stark gemacht.

Der Verein profitiert von Ihnen als Mutter, Vater oder Opa, Onkel oder Tante und Sie können mitgestalten.

Denken Sie daran, man kann wieder einen Bus anschaffen, weil der alte vielleicht nicht mehr in der Lage ist zu fahren.

Dies ermöglicht die Arbeit des Vereins und auch deren Präsenz im Arbeitskreis der Landeshauptstadt Wiesbaden.


Mit freundlichen Grüßen 

S. B.

ehemaliger Schüler und langjähriges Mitglied des Fördervereins der Friedrich-von-Bodelschwingh Schule

Arbeitskreis Inklusion und Barrierefreiheit

Wiesbaden für alle: Der Arbeitskreis ist ein Zusammenschluss von mehr als 35 Organisationen und Selbsthilfegruppen von und für Menschen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen, die sich regelmäßig treffen.

Mit der Expertise von Betroffenen und deren Hilfesystem hat der AK das Ziel, in allen Lebensbereichen vom öffentlichen Raum, der Kultur, dem Schul- und Arbeitsbereich, dem Sport und den Medien die selbstständige und autonome Teilhabe im Leben der Stadt Wiesbaden entsprechend der UN-Konvention weiter voranzutreiben. 

Der Arbeitskreis stellt sich folgende Aufgaben:

Arbeitskreis Inklusion und Barrierefreiheit:

Vorsitzende Barbara Knobloch (rechts) und Heike Mailänder (links), Protokoll Mechthild Böhnemann (Mitte).

  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Belange beeinträchtigter Menschen
  • Ansprechpartner für Betroffene bei Problemen mit der Teilhabe
  • Hinweis der Verantwortlichen auf noch nicht umgesetzte Barrierefreiheit in den unterschiedlichsten Bereichen
  • Mitwirken an der Suche nach Lösungen
  • Der AK ist ein wichtiger Ansprechpartner sowohl für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt als auch für die Politik. 

Der AK kooperiert mit der Inklusionsbeauftragten der Stadt, ist jedoch ein eigenständiges und unabhängiges Gremium. Die Mitarbeit im Arbeitskreis ist ehrenamtlich.

Wiesbaden für alle –

das ist unser gemeinsames Ziel einer inklusiven Stadt!

Kontakt: Barbara Knobloch
Telefon: 0611 809851
E-Mail: ak-wiesbaden@t-online.de

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